(Bildquelle Greenpeace: Greenpeace Protestaktion gegen Kohlekraftwerke in Polen)

CAB-Jahres-Thema: gerechter Handel??

 

CAB-Jahresthema und Martin Luther ??

Als offenes, ökumenisches Forum möchten wir die Gestaltung unserer Welt christlich mitprägen. Nachfolgend ein kleiner Einblick in unsere Themen 2017. Hier spornt uns das Lutherjahr verstärkt an, Gerechtigkeit und Frieden als tägliche Herausforderung im Umgang mit Mensch und Natur wahrzunehmen. Dass zu Luther´s Zeit die Welt ( in Freie und Leibeigene) aufgeteilt war und der (Ablass-) Glaube als Machtinstrument missbraucht wurde, sollte uns Christen heute, bei dem (ebenso inakzeptablen) Umgang mit Mensch und Natur, miteinander aufrühren! Aufruhr gegen mich selbst und meine abertausend Versuche, den lieben Gott als „Sandmännchen“ in mein eigenes Schöpfungswerk kleinzubauen… Aufruhr nach außen um den Dialog zu mehr Gerechtigkeit und Frieden in wirksamen Gang zu halten!  Wir freuen uns, dass dieses christliche Forum bereits seit sieben Jahren durch neugierige Menschen „aufgerührt“ wird.  Ob dies im direkten Dialog bei unseren offenen Gesprächsrunden, im Gebet oder mit einer Spende für die unterstützen Projekte geschieht – Ihnen schon jetzt herzlichen Dank!

Erregte der „Ablass-Handel“ zur Zeit Martin Luthers dessen berechtigten Zorn, so sind es heute wieder  unfaire Handelsabkommen, die marktbeherrschende Monopolstellungen um „Knebelverträge“, unter denen   Die europäischen Länder verschaffen sich Zugang zu den Märkten in Afrika im Rahmen der „European Partnership Agreements – EPA“. Subventionierte Agrarprodukte aus Deutschland und Europa verdrängen einheimische Produzenten. Landraub entzieht Kleinbauern die Lebensgrundlage. Erlöse aus Ressourcen (Erdöl, Mineralien, …) kommen nicht bei der Bevölkerung an. 
Spenden für die Hilfsprojekte in Ghana und Kamerun sind ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen. Ist nicht die Beschäftigung mit diesem Thema auch ein wichtiger Prozess der Bewußtwerdung unseres Seins und unserer Verbundenheit mit den Menschen hier vor Ort und dort in Afrika?
Welche Handlungsoptionen haben wir als Privatpersonen außer der Unterstützung der Hilfsprojekte? Den größten Einfluss haben wir über unseren Einkaufzettel. Fair gehandelte Produkte sichern den Kleinbauern den Lebensunterhalt. Vermeiden von Fleisch, das mit billigen Futtermitteln aus den Entwicklungsländern erzeugt wurde. Vermeiden von Produkten, die als Abfall auf afrikanischen Müllhalden landen. Die Mango-Aktion des CAB zeigt uns, dass die Vernetzung einen wichtigen Beitrag leisten kann. Aus der Vernetzung können weitere Projekte entstehen. Unser Umgang mit Energie und Lebensmitteln wird sich ändern. Die Transition-Town-Bewegungen, der Reparatur-Treff (gibt es schon in Allensbach), der Tauschkreis, gemeinsames Gärtnern, sind gleichzeitig Kraftquellen für die Balance zwischen Sein und Tun.

Papst-Enzyklika: Laudato Si (2015)

Nachfolgend eine Zusammenfassung einiger Kapitel durch Teilnehmer unseres Gesprächskreises

 

DRITTES KAPITEL      (S. 74-85)     Exzerpt

I. Die menschlichen Wurzeln der ökologischen Krise  

 

101 Es wird nichts nützen, die Symptome der ökologischen Krise zu beschreiben, wenn wir nicht die menschliche Wurzel der ökologischen Krise erkennen: Ein fehlgeleitetes Verständnis menschlichen Lebens, das der Wirklichkeit widerspricht.

Hier soll es um das vorherrschende technologische Paradigma gehen und um die Stellung, die dieses dem Menschen und seinem handeln in der Welt zumisst.

 

I. Technologie: Kreativität und Macht

102. Wir sind als Erben von zwei Jahrhunderten enormer Veränderungswellen  in eine neue Ära getreten: Die Macht der Technologie am Scheideweg.  „Wissenschaft und Technologie sind (einerseits) Produkt gottgeschenkter Kreativität“. Unzählige Einschränkungen und Übel wurden durch die überwunden, insbesondere in der Medizin.

 

103. Diese Form der Kreativität entfaltet nicht nur utilitaristische Aspekte sondern enthält ein Schönheit und Ästhetik.

 

104. Andererseits entfaltet sie eine gewaltige und höchst ambivalente Macht (Nukleartechnik, Biotechnologie, Informatik ...)mit Vernichtungspotential. Die Verantwortung liegt in Händen eines kleinen Teiles der Menschheit.

 

105. Irrige Annahme: „jede Zunahme an Macht sei schlechthin 'Fortschritt' an Sicherheit, Nutzen, Wohlergehen, Lebenskraft, Wertsättigung“. Als folge das Positive spontan aus dem vorigen. Vielmehr: ist „der modern Mensch nicht zum rechten Gebrauch der Macht erzogen“ (Guardini). (Vf.: uti-frui / Aug.). Die Potentiale der Macht und ihrer Vernichtungsmöglichkeiten wachsen ständig ohne solide Ethik, Kultur, Spiritualität, die zu einer Selbstbeschränkung anleiten würde.

 

II. Die Globalisierung des Technokratischen Paradigmas

 

106. Grundproblem aber liegt tiefer: Technologisches Paradigma und die Entfesselung des Subjektes im logisch-rationalen gegenüber zur Welt als Objekt als Grundverhältnis des Beherrschens entspringen derselben Wurzel und sind ineinander verwoben. Die implizit unterstellte Idee eines grenzenlosen Wachstums beruht auf der Fehlvoraussetzung, dass die Verfügbaren Güter des Lebens/Planeten unbegrenzt seien und negative Auswirkungen des Missbrauchs ebenfalls technokratisch behoben werden könnten.

 

107. Die Auswirkungen der Anwendung dieses Modells werden in der Schädigung der sozialen Wirklichkeit und der Umwelt sichtbar. Die von der Technik erzeugten Produkte / die Lebenswirklichkeit ist nicht neutral, sondern konditioniert alle Lebensstile und manipuliert sie im Interesse bestimmter Machtgruppen. Scheinbar sachbezogene Entscheidungen sind Folge der immanenten und impliziten Logik des zugrundeliegenden Modells/Systems.

 

108. Ein Paradigmenwechsel etwa in Richtung des Indienstnahme der Technik als bloßem Instrument, wird gar nicht in den Blick genommen. Die Dominanz technologischer Logik macht es ebenso schwer, sich ihr zu entziehen wie auch sie sachgemäß zu gebrauchen ohne zugleich von ihr beherrscht zu werden.  Die Logik technokratischen Herrschens „greift nach den Elementen der Natur wie nach denen des Menschseins“ und die Entscheidungsfähigkeit, authentische Freiheit und eigenständige Kreativität nimmt ab.

 

109. Das (?) technokratische Paradigma tendiert auch dazu Wirtschaft und Politik zu beherrschen. Ertragsmaximierung um jeden Preis negiert die fatalen Auswirkungen. Finanzinteressen ersticken die Realwirtschaft. Lektionen wie die Finanzkrise 2008 führen nicht zu einer wirklichen Wende. Nicht rechtes Ausmaß und Verteilung von Produktion sind Thema, sondern exzessive Gewinn-maximierung abseits jeglicher ganzheitlicher und inklusiver Entwicklung des Menschen. Es entsteht eine konsumorientierte verschwenderische Überentwicklung in scharfem Gegensatz zum entmenschlichenden Elend“ ohne eine Analyse wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.

 

110. Technologische Spezialisierung und Aufsplitterung des Wissens führt zu einem Verlust des Blickes für die Gesamtheit und die Wechselwirkungen. Um die komplexen Probleme der Umwelt und der Armut zu lösen, wäre genau dieser Blick nötig. In der konkreten Wirklichkeit, „die uns entgegentritt“ werden wir auf unseren Irrtum hingewiesen durch Symptome wie Umweltverschmutzung, Angst, Verlust des Lebens- und des Gemeinschaftssinnes“. Es zeigt sich hier einmal mehr „Die Wirklichkeit steht über der Idee“ (Vf.: Erkenntnisleitender Grund-Satz von Franziskus) ...
 

111. Ökologische Kultur kann nicht reduziert werden auf Teilantworten aus Symptome wie Umweltschäden und Ressourcenverknappung. Sonst bleiben auch die besten ökologischen Initiativen in der globalisierten Logik des technologischen Paradigmas stecken und die eigentliche Grundproblematik bleibt verborgen.

 

112. Blick weiten: Das hieße zu begreifen, dass menschliche Freiheit in der Lage ist, die Technik zu beschränken und in den Dienst eines anderen Fortschritts zu nehmen. In den Dienst einer echten Menschlichkeit, die zu einer neuen Synthese einlädt. (Schlusssatz ! „Wird sie (die echte Menschlichkeit) wie eine Verheißung sein, die wie ein zäher Widerstand des Echten (zuvor: „in einer Art Erlösung“) hervorsprießt ?“))

 

113. Andererseits scheinen die Menschen nicht mehr an eine glückliche Zukunft zu glauben. Ihnen wird mehr und mehr bewusst, dass technologischer Fortschritt nicht aus sich heraus eine glücklichere Zukunft bewirkt. „Die Menschheit hat sich tiefgreifend verändert. Die Fülle der neuerungen heiligt eine Flüchtigkeit, die uns über die Oberfläche in eine einzige Richtung miteißt. Es wird schwierig innezuhalten, um die Tiefe des Lebens wiederzugewinnen.“ „Wir wollen uns damit nicht abfinden … und fragen stattdessen nach dem Zweck und dem Sinn von allem. Andernfalls würden wir nur die herrschende Situation legitimieren und zunehmend mehr Surrogate brauchen, ium die Leere auszuhalten.“

 

114. Die aktuelle Entwicklung macht eine mutige kulturelle Revolution dringend erforderlich. Es geht darum „(gegen den) hemmungslosen Größenwahn … die Werte und großen Ziele wiederzugewinnen, die dieser vernichtet hat.“

 

 

III Krise u Auswirkung des modernen Anthropzentrismus:     (S. 85-99) – Exzerpt und Versuch eines ersten Fazit

 

115: Der moderne Anthropozentrismus hat paradoxerweise die technische Vernunft über die Wirklichkeit gestellt. Natur nicht ist nicht mehr Norm, nicht bergender Raum des Daseins sondern wird reduziert zur Ressource und zum verfügbarer Stoff.

 

Damit verfehlt der Mensch seine Bestimmung.

 

Er hat nicht nur die Welt, sondern sich selbst von Gott her empfangen.

Nur indem er die darin gegebene moralische Struktur respektiert, findet er zu seiner Bestimmung.

116: Anthropozentrische Maßlosigkeit der Moderne schlägt sich nieder in dem prometheischen Traum von der Herrschaft über die Welt, der zugleich die Verpflichtung zur Sorge für die Welt negiert

 

117: Mangelnde Sorge um Schaden an der Natur spiegelt das Desinteresse an den in die Natur eingeschriebenen Strukturen (hm. Lex naturalis ?) der conditio humanae (Grundbedingungen menschlichen Daseins)  wider. Indiz ist: Die Nichtzuerkennung der Würde – des ausgebeuteten Armen, des ungeborenen Lebens, des behinderten Lebens.

 

118: Symptom ist die Verherrlichung der Technokratie, die dem anderen Lebewesen, ja dem anderen Menschen einen Eigenwert zuerkennt. Anthropologie und Ökologie sind nicht losgelöst, sondern aufeinander bezogen zu denken.

 

119: Ökologische Krise bedeutet zugleich ein Offenbar-/Sichtbarwerden der ethischen, kulturellen und spirituellen Krise des Menschseins. Die urmenschliche „Offenheit auf das Du“ hin entfaltet sich als: Soziale, ökologische und theologische Beziehung (Mitmensch, Mitgeschöpf, Gott).

 

120: Da diese Beziehungsdimensionen Teil eines ganzen sind, ist Annahme ökologischer und sozialer Verantwortung nicht vereinbar mit der Rechtfertigung der Abtreibung.

 

121. Es fehlt bislang die neue Synthese, die über die Dichotomien/Dialektik der letzten Jahrhunderte hinausführt (cf: trinitarische Begründung im letzten Kapitel). Das Christentum als geschichtliche Religion und als Glaubens- und Denkbewegung ist Glauben und Denken unterwegs zu einem Neuwerden.

 

Praktischer Relativismus:

122: Der fehlgeleitete Anthropozentrismus generiert einen fehlgeleiteten Lebensstil, der sich in einem praktischen Relativismus auswirkt, der gefährlicher ist als jede relativistische Theorie: Faktisch gilt alles, was nicht dem absoluten Vorrang des Eigen/Herrschaftsinteresses dient als relativ. Dies vollziehe sich (Vf.: Interpretation) unter der scheinbar neutralen Fassade des technokratischen Paradigmas.

 

123: Der Sache nach ist die Kultur des Relativismus nichts anderes als die Degradierung des anderen zum bloßen Objekt der eignen Interessen (inklusive sozialer Konsequenzen von Zwangsarbeit, materieller und sexueller Ausbeutung, Versklavung, organiserter Kriminalität). Auch hier regieren scheinbar neutrale Ideologeme wie „die unsichtbar ordnende Hand des Marktes“. Das leben wird dem „Einweggebrauch“ und dem „Konsumieren und Wegwerfen“ überlassen.
Wenn die Kultur des Menschseins verfällt, erscheinen „objektive Wahrheit“ oder allgemein gültige Prinzipien oder Gesetze nur noch als Hindernis und willkürlicher Zwang, den es zu umgehen gilt.

 

Notwendigkeit, die Arbeit zu schützen:

124: In eine ganzheitliche Ökologie ist Wert und Bedeutung menschlicher Arbeit einzubeziehen.

Der biblische Schöpfungsauftrag an den Menschen beinhaltet das Bebauen / Fruchtbar werden lassen und Bewahren / Hüten. Darin ist der Mensch Werkzeug des göttlichen Kreativität.

 

125: Eine richtige Einschätzung der Bestimmung menschlicher Arbeit setzt ein Vorstellung von den Beziehungen voraus, in denen sich geschöpflich-menschliche Arbeit bestimmungsgemäß vollzieht.

 

126: Monastische Tradition verbindet soziale Dimension (coinonia), spirituelle Dimension (orare) und die äußere (manuelle) Gestalt von Arbeit in wechselseitiger Durchdringung und Heiligung

 

127: Da sich erst in dieser Ganzheit der Arbeit Menschsein sinnhaft entfaltet, muss in die Ökonomie, also in die wirtschaftliche Rationalität von Unternehmen „die Priorität“ eingeschrieben werden „allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen“

 

128: „Seit unserer Erschaffung sind wir zur Arbeit berufen“. Deshalb darf technologischer Fortschritt Arbeit nicht verdrängen. Genau in dieser Richtung aber wirkt die faktische Ausrichtung der Wirtschaft und die spezifische technologische Ausrichtung des (Vf.: sogenannten (?)) Fortschritts. Es gilt: „Der menschliche Preis ist immer auch ein wirtschaftlicher Preis“ und wirtschaftliche Missstände verursachen menschlich-soziale Kosten. Aufzuhören in unser Menschsein zu investieren ist ein denkbar schlechtes „Geschäft“ für die Gesellschaft.

 

129: Dringend erforderlich ist eine Wirtschaft, die die Produktionsvielfalt und Unternehmenskreativität fördert. Gemeint u.a.: kleinbäuerliche diversifizierte und kleinflächige Systeme zur Erzeugung von Lebensmitteln mit geringem Ressourcenverbrauch, … (S.94) – Die derzeitige Tendenz im Agrarsektor ist fatalerweise aufgrund von Größenvorteilen und des globalen Marktzugangs großer Akteure eine umgekehrte. (Vf.:) Mit enormen sozialen Folgekosten für die auf diese weise enteigneten, ihrer Subsistenzpotentiale beraubten und destruierten Gesellschaften. Damit alle von wirtschaftlicher Freiheit profitieren, ist es nötig denen, die größere Ressourcen und Macht besitzen Grenzen zu setzen.

 

Die von der Forschung ausgehenden biologischen Innovationen:

 

130: Auch die Nutzung wissenschaftlicher Vernunft ist personal und ethisch zu verantworten und findet nicht im luftleeren/neutralen unverantworteten Raum statt. Die Nutzung von Tieren und im weiteren Sinne der Schöpfung „verlangt Ehrfurcht vor der Unversehrtheit der Schöpfung“

 

131: Die Würde menschlicher Kreativität besteht darin, dass sei teilhat am schöpferischen Wirken Gottes und muss bei ihrem Eingreifen in ökologische Zusammenhänge deren Fernwirkung auf andere Bereiche im Blick behalten. Deshalb kann zB. nicht einer „undifferenzierten genetischen Manipulation“ Raum gegeben werden unter Absehung und Leugnung negativer Folgen. (vf.: Hm.)

 

132: Eingreifen in die Pflanzen- und Tierwelt ist mit hohen Risiken verbunden. Respekt des Glaubens gegenüber dem Wissen fordert Folgen unabhängig von wirtschaftlich geleiteten Engführungen und Interessen zu bedenken. Legitim ist, was auf die Natur einwirkt, „um ihr bei der Entfaltung ihrer selbst behilflich zu sein als einem von Gott gewollten Geschöpf“ (Vf.: Hm.)

 

133: Ein Urteil über die  Entwicklung gentechnischer Möglichkeiten ist schwierig, weil ihre Folgen sehr unterschiedlich sein können und je eigene Betrachtung erfordern. Problem muss nicht die Technik als solche sein, wohl aber ist es ihre exzessive Anwendung. Tatsächlich werden ja genetische Veränderungen auch von der Natur hervorgebracht und Domestizierung und Zucht sind alte anerkannte Verfahrensweisen mit ebensolchen Wirkungen.

 

134: Obwohl handfeste Beweise für unmittelbare negative Folgen zb. gentechnisch veränderten Getreides auf den Menschen fehlen, „gibt es bedeutende Schwierigkeiten, die nicht relativiert werden dürfen“. Benannt wird: Soziale Folgen einer monopisierten Landwirtschaft. Prekariat der landarbeiter. Tendenz zur Bildung von Oligopolen. Massive Entwicklung von wirtschaftlichem Gefälle und Abhängigkeiten. Gefährliche Monopolbildung und Zwang, Monopolprodukte zu kaufen.

 

135: Ständige Aufmerksamkeit und eine breite verantwortungsbewusste gesellschaftliche Debatte ist erforderlich, die Informationen über diese Entwicklungen zugänglich macht und beim Namen nennt und (Vf.:)  einer ideologischen Verbrämung unter dem Vorzeichen wirtschaftlicher Partikular/Monopolinteressen wehrt. Hierzu ist eine informative Vernetzung und interdisziplinäre Analyse solcher Entwicklungen erforderlich.

 

136: „Andererseits ist es besorgniserregend, dass einige ökologische Bewegungen, die Unversehrtheit der Umwelt auf ihre Fahnen schreibt und mit Recht Grenzen wissenschaftlicher Forschung fordern, dieselben Prinzipien jedoch nicht auf das (ungeborene) menschliche Leben anwendet“.

 

Erstes Fazit:

Spannend ist der Versuch, die verschiedenen Bezüge menschlichen Daseins zu einer letztlich triadischen bzw. trinitarischen Ganzheit zusammenzudenken und einer isolierten Betrachtung einzelner Aspekte entgegenzutreten. Die ökologische und soziale Krise ist äußeres Symptom einer anthropologischen Fehlhaltung/Fehlbestimmung. Der Ansatz hier schreit förmlich nach der theologisch-spekulativen Vertiefung, die vermutlich im letzten Kapitel folgt.

 

Die biblisch-theologische Beschreibung menschlicher Bestimmung in der Einbindung in das Schöpfungsganze über den Auftrag der schöpferisch (arbeitenden und sich in der Arbeit selbst  verwirklichenden) Mitgestaltung des Lebens ist schön. Gerade auch darin, dass nur in gleichzeitiger Verwirklichung des Selbst- und Gottesbezuges, der sozialen Verantwortung und der ökologischen Menschsein gelingen kann. Aus dem Augenwinkel wird immer wieder die Frage nach dem sozial beeinträchtigten, des behinderten und des ungeborenen Lebens in den Blick und in den Gesamtkontext hineingenommen. Das ist sachlich schlüssig, auch wenn es in der Form gelegentlich ein wenig gewollt wirkt.

 

Die Kritik an einem letztlich ideologischen Relativismus, der letztlich lediglich dem Kaschieren in der Selbstsucht des technokratisch-kapitalistischen Ego dient, ist zunächst einleuchtend, dann aber doch auch ambivalent: Lässt sich das Absolute in nichtrelative „objektive“ Wahrheits-Sätze fassen ?

Diese Annahme basiert letztlich auf einer anderen, impliziten, die von einer nicht näher ausgeführten lex naturalis auszugehen scheint (Scholastik/Thomas von Aquin).

Hierhin gehört eine Grundannahme, die zu prüfen wäre und vermutlich von anderen (nicht thomistischen) Ansätzen sofort bestritten würde, schon von Hume her: Gibt es wirklich aufweisbare „in die Natur eingeschriebene Strukturen“ im Sinne einer nichtgeschichtlichen und nichtevolutiven „lex naturalis“ ?

Hieran hängt mehr als es zunächst scheint: Auch die Schwäche in der Beurteilung der Biotechnologien (legitim, sofern sie zur Entfaltung des naturimmanenten göttlichen Wollens bzw. der lex naturalis dienen) ist Folge eines letztlich scholastisch-thomistischen Denkens, dass den Anforderungen der Moderne auf systematischer Ebene nicht genügt.

 

Die Sozialkritik (darauf laufen letztlich alle kritischen Betrachtungen immer wieder hin) und die Forderung nach regulativen Grenzen atmet erfrischend den (auch franziskanischen) Stallgeruch der Armuts- und  „Befreiungstheologie“ und hat Anflüge, die mit ihren regulativen Forderungen letztlich nach einer starken globalen quasistaatlichen bzw. Welt(sozial)wirtschaftsordnung schreit.
Manches erinnert an sozialistische Kapitalismuskritik (Selbstwidersprüche des Systems), wird aber immer wieder verortet an der „spirituellen Dimension“ menschlicher Grundhaltungen zum Leben.
Franziskus-Grundsatz: „Primat der Wirklichkeit vor der Idee“ taucht als Grundlinie immer wieder auf. Es erinnert an den spätscholastischen Empirismus der Franziskaner. Unklar bleibt, inwiefern „die Wirklichkeit“ nicht ihrerseits eine immer schon gedeutete „Wirklichkeit“ ist, also eine Idee.  Die sozialkritischen, ein wenig befreiungstheologisch anmutenden Bewertungen weisen die Enzyklika als positionell-perspektivische „Parteinahme für die Schwachen“ aus. Sie unterziehen die vorgebliche Neutralität des „technologischen Paradigmas“ einer ideologiekritischen Prüfung und weisen diese als interessengekleitet aus.  Das werden viele nicht mögen. Müssen sie ja auch nicht.          (Zusammenfassung: XXX)

 

Papst-Enzyklika „Laudato Si“ : Zusammenfassung Kapitel 5 (S.117 – 141)

Hier skizziert Papst Franziskus einige Wege und stellt Leitlinien auf, die helfen sollen, aus der Spirale der Selbstzerstörung herauszukommen…

1. Abschnitt: Dialog in der internationalen Politik

Alle (Politiker) sind dem Wissen verpflichtet, dass unsere Erde ein gemeinsames Haus ist, welches von der Menschheit bewohnt wird. Es wird deshalb ein gemeinsamer Plan benötigt und die nationalen Interessen müssen sich dem globalen Gemeinwohl unterordnen.  „Wir Gläubigen dürfen nicht aufhören, Gott um das positive Vorankommen der internationalen Vereinbarungen (z.B. Erderwärmung u. Klimawandel, biologische Vielfalt auch durch Erhalt der Urwälder, Trinkwasserversorgung, Verwaltung der Ozeane, etc.) zu bitten, damit die kommenden Generationen nicht unter fahrlässigen Verzögerungen leiden müssen…

…es bedarf einer echten, politischen Weltautorität (Uno mit wirkkräftigeren Befugnissen?!) um die Vorherrschaft von Wirtschaft und Finanzen über die Politik zu stoppen und dem „globalen Gemeinwohl“ unterzuordnen.

2.Abschnitt: Dialog in der lokalen, regionalen Politik

Die Reglementierungen in einer reifen und souveränen Gesellschaft dienen letztlich auch dazu, die besten Verhaltensweisen zu fördern und die Kreativität für neue Wege anzuregen. Das Drama besteht in der Tatsache, dass die politische Planung darauf festgelegt ist, kurzfristiges Wachstum zu erzeugen. Um den Machterhalt zu sichern, soll die Bevölkerung möglichst nicht verärgert werden (etwa durch Einkommenssenkung, weniger Konsum, höhere Preise, etc.). 

Örtliche Kooperativen zeigen: hier können sich Gemeinschaftssinn, die Fähigkeit zur Umsicht und eine herzliche Liebe im Denken an das, was man seinen Kindern und Enkeln hinterlässt, entwickeln. Ohne Einfluss und Kontrolle der Bürger auf die kommunale und nationale politische Macht gibt es auch keine Kontrolle der Umweltschäden und niemand schützt die Ökossysteme vor der Plünderungohne Druck der Bevölkerung wird die Politik ihre auf wirtschaftliche Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichtete Logik nicht aufgeben!...

3.Abschnitt: Dialog und Transparenz in Entscheidungsprozessen

Unternehmerisches Handeln muß daraufhin geprüft werden, ob es einer wahren, ganzheitlichen Entwicklung (wie zuvor ausgeführt) beiträgt. Transparenz durch folgende Fragestellungen: Wozu? Weshalb? Wo? Wann? In welcher Weise? Für Wen? Welches sind die Risiken? Zu welchem Preis? Wer kommt für die Kosten auf und wie wird er das tun? Bei dieser Prüfung gibt es Fragen die Vorrang haben und es muss die Beweislast umgekehrt werden, nämlich der schlagende Nachweis, dass das Vorhaben keine schweren Schäden für Umwelt  und Bewohner verursachen wird…

4.Abschnitt: Dialog  von Politik und Wirtschaft für die volle menschl. Entfaltung

Politik darf sich nicht der Wirtschaft und diese sich nicht der Technokratie (Effizienz) unterwerfen. Auf die „Lebensqualität“ nimmt  das Wirtschaftswachstum keine Rücksicht.

5.Abschnitt: Dialog  von Religionen und Wissenschaften

An der schlechten Behandlung der Natur und despotischer Herrschaft des Menschen über die Schöpfung und ihre Geschöpfe können wir Glaubenden erkennen, dass wir den Schatz der Weisheit nicht gehütet und Gott untreu geworden sind…  (Zusammenfassung: XXX)